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Sonntag, 24. Mai 2015 17:47 Alter: 2 Jahre

Schuhwerk an Bord

…………..wohl so banal, dass es für nicht erwähnenswert erachtet wurde.

(Bild 1) Beim Anblick hübscher Beine mit High Heels bekommt „Mann“ Stielaugen… der Schipper jedoch einen „Dicken…Hals“  ja, weiß die denn nich‘ was sie damit anrichtet…nee, Blondinen können ja nich‘ rechnen:  die Bodenbelastung, technisch Flächenpressung  eines zierlichen 50 kg Persönchens auf die Fläche eines Pfennigabsatzes ist 100 fach[1] höher als die eines 50 to Panzers auf seinem Kettenlaufwerk. Also Erfordernis:  Bordschuhe[2] mit ebener Sohle und für  die Rutschfestigkeit ein Speziallamellenprofil. Auf modernen Plastikyachten sinnvoll und praktikabel  aber auf einem Segelschiff mit Holzdeck? Es soll ja Schipper geben, die halten Holzklotten für angemessenes Schuhwerk, trägt heute noch jeder dänische Brummifahrer und jeder Handwerker? Für Seeleute, die in die Takelage aufentern und auf den Fußpferden an den Rahen arbeiten müssen, ein sträflicher Leichtsinn. (Zeichn.1)

Die brauchen Seestiefel mit Absätzen – richtigen Hacken – damit sie nicht abrutschen….  leider als Sandalenfreak (Birkenstock-Anhänger) am eigenen Leib an den Bugsprietpardunen erlebt, mitsamt dem Angstschweiß des Schippers, der das mitansehen mußte, bis der Kerl wieder heil an Deck war….

Also was trugen die eisernen Männer auf den hölzernen Schiffen….Kaffeeplausch mit unserem PAMIR Kap Horn Kadetten und Museumshafen-Ehrenmodellbauer Adolf:  …. „Natürlich Barfuss in den warmen südlichen Breiten, die Füsse mußten sich dran gewöhnen, die Schwielen kamen von allein….“  

 

Barfuss (Bild 2) und in Kurzen Hosen war praktisch beim „Rein-Schiff“ machen, ideal. Für die Arbeit in der Takelage die damals zeitüblichen Segeltuchturnschuhe[3] mit dünner, geriffelter Schuhsohle, eigentlich nicht mehr als ein stärkerer Hornhautersatz. Aber der Mittelfuß hatte mit seiner Wölbung eine gute Anpassung an Webeleinen- und Fußpferdtauwerk. Wenn es kälter wurde, in den nördlichen bzw. ganz südlichen Breiten, natürlich Seestiefel mit „Hacken“ (Zeichn. 2)

 

Alle grossen Seemannschafts-Handbücher wie  Kusk Jensen, erwähnen mit keinem Wort „Sicherheit für die Füße“. Selbst im John Harland[4] oder im „Grossen Garrn[5]“ …..nix…das ist wohl so banal,  dass es für nicht erwähnenswert erachtet wurde. 

 

Aber auf den russischen Segelschulschiffen gibt es die Anweisung, dass die Schuhe einen Absatz haben müssen, damit man von den Fußpferden nicht abrutscht, “  Auf der Gorch Fock sind lt. Dienstvorschrift Seestiefel mit Absatz-“Hacke“  gefordert. Auf Alexander von Humboldt II  ebenso wie damals auf der Pamir, Passat, uvam.   Die Portugiesen haben Sportschuhe (leichte Turnschuhe), ebenso die meisten Südamerikaner, auf der Carola herrschte striktes Schuhgebot d.h. no barefoot.[6] Was auf Ewern etc. getragen wurde?  Holzbotten natürlich, aber da braucht man ja nicht aufentern, da konnte man einfach hochlangen. Und auf Fischkuttern?  Gummistiefel bis zum Hals, wegen der Rutschgefahr.  Und Die Herrensegler und Seglerinnen die tragen die hocheleganten „Docksides“ mit der rutschfesten weissen Sohle damit sie keine schwarzen Striche auf das schöne Deck machen.

 

Gerd Büker, Schiffshistorisches Archiv

 

Literatur:

Per Bøgh, Fra busseronne til matroskrave, Die Bekleidung des Seemanns durch die Jahrhunderte, Skib Forlag 1999                   

Kusk Jensen, Seemanschaft, Nachdruck Kiel 1989

J.Garrn, Handbuch für Decksleute auf Traditionsseglern, Hamburg 2004

Wossidlo, Reise Quartier in Gottes Naam, Rostock 1969

O. Hildebrand, Praktisches Lehrbuchfür junge Seeleute, Berlin 1880

Prof. D. Dr. E. Kühl, Prof. Dr. Th Vahlen, Yachtbau und Yachtsegeln Bd. II Berlin 1910

John Harland, Seamanship in the Age of Sail, London 1984

Darcy Lever, The Young Officers Sheet Anchor, London 1819 Nachdruck N.Y. 1998

 


[1] 50kg/0,785cm2entspricht 63,7 kg/ cm2,  Panzer Leopard II 62 to auf zwei Kettenlaufwerken – 6,25to/m2 entspricht  0,625 kg/ cm2 das                       ist nur 1/100 !!

[2] In den Bordregeln des Salondampfers Alexandra ist ein Passus, der ausdrücklich „Pfennigabsätze“ verbietet..

[3] Prof. D. Dr. E. Kühl, Prof. Dr. Th. Vahlen, Yachtbau und Yachtsegeln Bd. II Berlin 1910

[4] John Harland, Seamenship in the age of Sail, Nachdruck, Conway maritime London 1984

[5] Jochen Garrn, Handbuch für Decksleute  auf Traditionsseglern, Hamburg 2004

[6] Herbert Böhm,  boehmpress, Mitglied der STAG/Clipper DJzS



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